Donnerstag, 22 August 2019
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Ökologische Krise und "Selbsterfahrungsräume für die Seele" - Theologische Einsichten in Tutzing

Filmplakat the Day after tomorow. Zu sehn sind Tormados, die eine Stadt verwüstenDie ökologische Krise trifft den Kern unseres Zivilisationsmodells. Das „immer mehr“ und „immer schneller“ führe zu einer völligen Überforderung von Mutter Erde und ihrer Ressourcen. So fasste der Vorsitzende des Sachverständigenrats Umwelt der Bundesregierung, Martin Faulstich von der TU München, die aktuellen Herausforderungen zusammen.

Die Theologie sei daher in besonderer Weise gefordert, zur Überwindung der Krise beizutragen, denn: „Theologie und Kirche sind Spezialistinnen für das Grundsätzliche“, so Faulstich.

Bei der Tutzinger Tagung „Ökologisch Krise fordert Theologie“ wurde aber auch deutlich, dass die Evangelische Akademie und der Beauftragte für Umwelt- und Klimafragen der Zeit wieder einmal voraus sind: „Das Thema ist in der wissenschaftlichen Theologie noch kaum als Herausforderung angekommen.“, kommentierte Friedrich Lohmann von der Humboldt-Universität Berlin das geringe Interesse von Theologinnen und Theologen an der Fachtagung.

Wolfgang Schürger, Umwelt- und Klimabeauftragter der Landeskirche und Privatdozent für Systematische Theologie, machte in seinem Einleitungsvortrag deutlich, dass die wesentlichen theologischen Überlegungen zum Thema „Schöpfung“ immer noch von Jürgen Moltmann und anderen Theologen der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stammten, obwohl die Herausforderungen viel komplexer geworden seien.

Gerade wegen dieser Komplexität der Herausforderungen sei es für Kirche und Theologie wichtig, die tiefer liegenden Grundsatzfragen zu durchdenken und nicht einfach appellativ auf die Ängste und Sorgen der Menschen zu reagieren, mahnte der katholische Sozialethiker Markus Vogt. Seine Mahnung galt durchaus auch einigen Teilnehmenden, welche die theologische Fachdiskussion für überflüssig hielten und auf konkrete politische Empfehlungen drängten.

Die nötige Gelassenheit in den Diskussionen um die Zukunft unserer Gesellschaft mahnte dabei nicht nur Friedrich Lohmann an, sondern auch Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz: „Es gab immer schon Wandel und Veränderung auf unserer Welt. Unsere Aufgabe heute ist es, diesen Wandel so zu gestalten, dass alle – auch zukünftige Generationen – Raum zum Leben haben. Und lassen Sie uns dabei nicht vergessen, dass wir Selbsterfahrungsräume für die Seele brauchen.“