Freitag, 21 September 2018
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Geopark-Ranger Ronald Ledermüller warnte bei einer Exkursion in den Fichtelgebirgswald davor, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen: „Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Wald immer wieder leer geräumt. Die Bauern brauchten Einstreu für ihre Ställe. Aber ein ‚sauberer’ Wald ist ein gefährdeter Wald.“ Das Ökosystem Wald brauche eine gewisse Menge Totholz, damit Kleinstlebewesen überleben könnten. Tote Blätter und Nadeln seien die Nahrungsgrundlage zukünftiger Baumgenerationen. Ledermüller plädiert daher für eine naturnahe Waldnutzung: „Da haben Sie zwar etwas mehr Arbeit, aber Sie erhalten einen robusten Mischwald, der viel weniger anfällig ist gegen Schädlinge oder Sturmschäden.“

Teilnehmer des Wochenendseminars vor den Gebäuden der Heizanlage von bad AlexandersbadTrotz der gestiegenen Nachfrage nach Holz sei Deutschland weit davon entfernt, den Wald zu verheizen. Das betonte neben Ledermüller auch der Leiter des Technologie- und Förderzentrums für nachwachsende Rohstoffe in Straubing, Bernhard Widmann: „Es wächst doppelt soviel Holz nach wie wir pro Jahr aus dem Wald nehmen.“ Energie aus Holz habe daher den Zeitfaktor 1:0,5, Energie aus fossilen Energieträgern dagegen 1:500.000. „Es gibt keine Alternative zur Energiewende.“, beschwor Widmann die Teilnehmer. Allerdings könne der Einstieg in das „solare Zeitalter“ nur gelingen, wenn wir zugleich über unseren Umgang mit Energie nachdenken: „Wir können den Wald und andere nachwachsenden Rohstoffe in Maßen nutzen, um unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen. Wir handeln aber nicht nachhaltig, wenn wir diese Rohstoffe in Massen verbrauchen, um unseren Luxus zu bedienen.“

Karin Deraed, Referentin für „Brot für die Welt“ in Bayern, zeigte anhand von Familien in den „Nebelwäldern“ von Guatemala auf, wie indigene Kulturen den Wald seit Jahrhunderten nachhaltig nutzen. „Wir können von den Indigenen lernen, wie Klimaschutz und Waldnutzung zusammengehen. Die Familien brauchen unsere Unterstützung, wenn es darum geht, die Urwälder dieser Erde – die natürlichen Klimaanlagen – zu bewahren.“

„Verheizen wir jetzt den Wald? Wohl nicht, wenn wir bereit sind, die Frage zu stellen, was wir wirklich zum guten Leben brauchen.“, so fasst Wolfgang Schürger die Einsichten des Wochenendes zusammen. Heidi Sprügel ergänzt: „Wir müssen uns fragen, wie ein nachhaltiger Lebensstil aussieht, und neue Wege wagen.“ Dass die Hälfte der Teilnehmenden mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Alexandersbad gekommen war, konnte vor diesem Hintergrund als Zeichen einer neuen Zeit verstanden werden.

Bild oben: Lebensgrundlage Wald. Die Teilnehmenden des Seminars erkunden das Ökosystem Wald.
Bild unten: Peter Berek (li.) mit den Teilnehmenden des Seminars vor dem Alexandersbader Heizkraftwerk.