Dienstag, 19 Februar 2019
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Dornen, Satan, falsche Begierden - und viel Frucht. Wolfgang Schürger zum Gleichnis vom Sämann

Frisch gekeimte Pflanzen in ackerfurchen

Wohl eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu: Das Gleichnis vom Sämann bzw. der vierfachen Saat. Wie aktuell es aus der Perspektive der Umwelt- und Klimaarbeit ist, zeigt Wolfgang Schürger, der Beauftragte für Umwelt- und Klimaverantwortung, in seiner Auslegung: Kaum jemand mehr, der den Klimawandel nicht bemerkt; kaum eine Person, die nicht davon überzeugt ist, dass Atomenergie eine Hochrisikotechnologie ohne Zukunft ist. Wir wissen, dass wir nicht so weiter machen können wie bisher, wenn unsere Erde auch für kommende Generationen noch lebenswert sein soll. Wir wissen auch, dass die Erdölvorräte noch 40 oder vielleicht noch 50 Jahre reichen werden – selbst, wenn die neu entdeckten Felder wirklich erschlossen werden können.

Die Energiewende war daher beschlossene Sache: erneuerbare Energien sollen ausgebaut werden, der effiziente Einsatz von Energie und Energiesparen sollen gefördert werden. Die Saat war gesät – und manches ging auf: Menschen haben ihre Heizung erneuert, Gemeinden haben in Photovoltaik- oder Windkraftanlagen investiert, ein Aufbruch in ein neues Zeitalter war zu spüren. Manches freilich hat der Satan auch gleich wieder weg genommen: die beschleunigte Abschreibung für energetische Gebäudesanierungen etwa, die immer noch vom Bundesrat blockiert wird. Und dann kamen die Widerstände: Strom aus Windkraft – ja bitte, aber auf keinen Fall eine neue Fernübertragungsleitung von der windreichen Küste nach Süden an meiner Haustür vorbei! Kleine, dezentrale Versorgungseinheiten – auf dem Dach der Kirchengemeinde, durch die Biogasanlage, die tatsächlich nur die Gülle des Ortes verwertet: die Energiewende könnte auch eine Demokratisierung der Stromversorgung bedeutet – doch plötzlich wachen die großen Energiekonzerne aus ihrer Schockstarre auf, investieren in Biogasanlagen, die so viel Mais verbrauchen, dass ein ganzer Landkreis nichts Anderes mehr anpflanzt. Sie setzen ihre Lobby in Marsch, um die Einspeisevergütung für Kleinanlagen in Bürgerhand zu verringern – damit Energie bezahlbar bleibt, wie plötzlich Wirtschafts- und Umweltminister unisono betonen und dabei völlig vergessen, dass die Umlage für erneuerbare Energien nur zum geringen Teil für den Anstieg der Strompreise verantwortlich ist. Betrügerische Begierden machen die guten Ansätze zunichte.

Doch da sind auch die anderen, die nach wie vor an der Energiewende fest halten und an die Machbarkeit des ökologischen Wirtschaftswunders glauben: Da ist ein Evangelischer Solarfonds, der weiter in den Ausbau der Photovoltaikanlagen investiert, da sind Bauleute, die nach wie vor energetisch sanieren, da sind Mitarbeitende, die Energie effizient nutzen, da sind Menschen, die sich sehr genau überlegen, mit welchem Verkehrsmittel sie am Morgen zur Arbeit fahren. Da sind viele, die nach wie vor mit bauen an einer lebenswerten Zukunft für alle Geschöpfe, die Vorbild sind für einen nachhaltigen Lebensstil. Sie bringen Frucht, sie stecken andere an – das macht Mut. Das Gleichnis vom Sämann ist sehr aktuell für die Umwelt- und Klimaarbeit in unserer Kirche und unserem Land. Amen.