Donnerstag, 25 April 2019
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Zurück ins Paradies? Ökumenischer Schöpfungstag 2015 in Füssen

Ökumenischer Schöpfungstag 2015 in Füssen "Zurück ins Paradies?" - Die Teilnehmenden waren sich einig: Wenn es ein Tor zurück ins Paradies gibt, dann muss dieses in der wunderschönen Landschaft des Allgäus rund um Füssen zu finden sein.

"Aber machen wir uns nichts vor", mahnte Jörg Dittmar, evangelisch-lutherischer Dekan in Kempten, in seiner Predigt, "wenn wir das Tor fänden, dann kämen wir nicht hinein, denn der Zugang wird von Cherubim bewacht, die uns Menschen am Zutritt hindern". Ein "Zurück ins Paradies" könne es also genauso wenig geben wie eine paradiesische Natur. "Wenn wir Natur erleben, dann erfahren wir nicht automatisch Gott", ist Dittmar überzeugt. Die Natur lehre vielmehr Dreierlei:

1) Es gibt so gut wie keinen Ort mehr, der nicht von uns Menschen gestaltet ist.
2) Die Natur ist stärker als wir - immer wieder gibt es Katastrophen, die wir nicht beherrschen.
3) Die Natur wird uns überleben: Wir Menschen sind endlich, den Planeten Erde wird es noch lange geben.

Den liebenden Gott könne man daher nicht in der Natur erkennen, sondern nur in Jesus Christus. Jesus freilich verwendet in seinen Gleichnissen immer wieder Bilder aus der Natur, um diese Liebe Gottes deutlich zu machen.

Nicht "Zurück ins Paradies" sei also das Leitmotiv für christliches Engagement, sondern die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Erlösung wohnt. Mit den Worten des Apostels Paulus: Mensch und Natur sehnen sich gleichermaßen nach der endgültigen Erlösung durch Gott. Bereits vor der Ökumenischen Vesper hatten die Teilnehmenden des Ökumenischen Schöpfungstages für Bayern erleben können, wie Menschen ihre Verantwortung für die Natur wahrnehmen können: Der Apothekergarten im Hohen Schloss zu Füssen und das Walderlebniszentrum Ziegelwies sind Orte, an denen paradiesische Vielfalt unter dem Schutz von Menschen gedeiht.

Maria Stettner, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen (ACK) in Bayern, war beeindruckt von der breiten ökumenischen Zusammenarbeit in Füssen: neben der römisch-katholischen, der evangelisch-lutherischen und der syrisch-orthodoxen Gemeinde waren auch die Freie Glaubensgemeinschaft, eine pfingstkirchliche ausgerichtete Gemeinde, und die Freie Evangelische Gemeinde bei der Vorbereitung des Schöpfungstages mit dabei. Während des Kaffeetrinkens und Abendessens in der Freien Glaubensgemeinschaft wurde die ökumenische Gemeinschaft richtig lebendig: die Mitglieder aller fünf Gemeinden hatten für mehr als 100 Menschen reichlich aufgetischt und es dauert nicht lange, bis Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft miteinander ins Gepräch kamen. Kein Wunder, dass es dabei dann nicht nur um die Schöpfung, sondern auch um die Situation der Flüchtlinge aus Syrien ging...